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Gefahr für Fleischesser

Illegale Vitamine mit gentechnisch veränderten Bakterien in Tierfutter gelangt – EU-weit vermutlich hunderttausende Tonnen Futter betroffen – Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde warnt vor Gesundheitsgefahren für Verbraucher

Verbotene Vitaminpräparate aus China, die gentechnisch veränderte, lebensfähige Bakterien enthalten, sind in großem Umfang in Tierfutter und damit in die Nahrungsmittelkette in Europa gelangt. Auch Deutschland ist betroffen. Das geht aus Daten des Europäischen Behörden-Schnellwarnsystems RASFF hervor, die von Belgien veröffentlicht wurden. Bei der verbotenen Substanz handelt es sich um Vitamin B2, auch bekannt als „Riboflavin 80%“, das als Zusatzstoff in Futtermittel für so genannte Nutztiere eingesetzt wird. Die in dem Vitamin enthaltenen gentechnisch veränderten Organismen sind laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit eine Gefahr für Verbraucher, weil sie unter anderem antibiotikaresistente Gene enthalten.

Belastungen schon länger bekannt

Deutsche und britische Behörden hatten bereits 2014 ähnliche Belastungen von B2-Vitaminen mit nicht in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Bakterien festgestellt und die EU informiert. Die EU-Kommission hat den Einsatz des Vitamins jedoch erst im September 2018 offiziell verboten. Allerdings erlaubt die EU es Landwirten jedoch, die bereits mit dem belasteten Vitamin-Gemisch hergestellten Futtermittel noch für weitere sechs Monate, bis April 2019, an ihre Tiere zu verfüttern.

Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte das Vorgehen der EU als klaren Verstoß gegen das europäische Gentechnikrecht und das im Lebensmittelrecht verankerte Vorsorgeprinzip.

Nach Informationen von foodwatch sind in diesem Jahr mindestens acht Tonnen des Präparates aus China über den niederländischen Futtermittelhersteller Trouw Nutrition nach Europa gelangt. Damit konnten Hunderttausende Tonnen Tierfutter produziert werden.

Die Behörden in den betroffenen EU-Staaten, darunter Frankreich, Deutschland und die Niederlande, rufen derzeit stillschweigend die Bestände der belasteten Futtermittel zurück. Die Öffentlichkeit wurde indes nicht informiert, wie foodwatch kritisierte.