Textbeiträge

Liberalisierung des Handels mit Tigerknochen und Nashornhorn

Der WWF zeigt sich tief besorgt über die heutige Ankündigung Chinas, den Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn von in Gefangenschaft gezüchteter Tiere zu legalisieren. Laut chinesischer Regierung soll zukünftig die Nutzung solcher Produkte durch Krankenhäuser gestattet werden, genau wie der Handel mit antiken Tiger- und Nashornerzeugnissen für den privaten Gebrauch. Seit 1993 war der Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn als Reaktion auf die massive Wilderei verboten. Der WWF fordert China dringend auf, das Handelsverbot beizubehalten.

„Es ist zutiefst beunruhigend, dass China sein 25 Jahre altes Verbot des Handels mit Tigerknochen und Nashornhorn aufgehoben hat. Die Folgen werden verheerend und weltweit zu spüren sein. Jegliche Legalisierung setzt diese seltenen Arten weiter unter Druck. Bis heute gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege für die medizinische Wirksamkeit von Tigerknochen oder Nashornhorn. Es handelt sich um einen Aberglauben, den die Politik nicht zum Maßstab ihres Handels machen sollte“, sagt Eberhard Brandes, Vorstand WWF Deutschland.

Sowohl Tigerknochen als auch Nashornhorn wurden 1993 aus dem Arzneibuch der traditionellen chinesischen Medizin entfernt. Der Weltverband der chinesischen Medizingesellschaften veröffentlichte 2010 eine Erklärung, in der die Mitglieder aufgefordert werden, Teile gefährdeter Arten nicht zu verwenden. Die Wiederaufnahme eines legalen Marktes für diese Produkte ist laut WWF ein enormer Rückschlag für die Bemühungen, Tiger und Nashörner in freier Wildbahn zu schützen. Die Artenschützer befürchten einen Anstieg der Nachfrage:

„Die Erfahrungen Chinas mit dem Handel mit Elfenbein haben deutlich gezeigt, wie schwierig es ist, parallel legale und illegale Märkte zu kontrollieren. Es steht zu befürchten, dass illegale Produkte gewaschen werden und so in den Handel fließen. Gleichzeitig müssen wir davon ausgehen, dass die Nachfrage angeheizt wird und so der Wildereidruck auf freilebende Tiere weiter steigt. Dabei sind die Bestände derart niedrig, dass schon eine leichte Zunahme der illegalen Jagd zu ernsthaften Problemen führen kann“, so Brandes weiter. 

„Die heutige Bekanntmachung steht in einem deutlichen Widerspruch zur bisherigen Haltung der chinesischen Führung, die in den letzten Jahren durch entschiedene Schritte gegen den illegalen Artenhandel geprägt war. Insbesondere durch die Schließung des nationalen Elfenbeinhandels hat China einen kaum zu unterschätzenden Beitrag zum Schutz der Elefanten geleistet. Es ist bedauerlich, dass man nun von diesem guten Weg abweichen will. Anstelle einer Liberalisierung brauchen wir eine Ausweitung des Handelsverbots auf sämtliche Tigerprodukte sowie die Schließung der Tigerfarmen, in denen die Tiere für die Verwertung ihrer Körperteile gezüchtet werden.“