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Tierschützer protestieren in Kaufbeuren für einen zeitgemäßen Zirkus

„Zirkus ja, aber ohne Tiere!“ – Tierschützer protestierten in Kaufbeuren für einen zeitgemäßen Zirkus. Unter dem Motto „Zirkus ja, aber ohne Tiere“ demonstrierten am vergangenen Samstag Aktivisten der bundesweit tätigen Organisation ANIMALS UNITED vor Circus Alberti am Märzenbach. Rund 25 Kundgebungsteilnehmer informierten die Zirkusbesucher und Interessierte über Hintergründe, die den Besuchern meist verborgen bleiben und verschafften sich Gehör.
Dass eine artgerechte Tierhaltung im Zirkus niemals möglich ist, zeigen die immer wieder festgestellten massiven Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, sowie die Missstände in Deutschlands Zirkussen, welche Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen fortwährend aufdecken. Immer mehr Städte und Kommunen entscheiden sich gegen die Ausbeutung von Tieren zu Unterhaltungszwecken. Die Mehrheit der Deutschen spricht sich gegen die Wildtierhaltung in Zirkussen aus, viele gar gegen die Verwendung jeglicher Tiere. Medien und Politiker schämen sich hingegen nicht, den Tierausbeutern regelmäßig zu hofieren. Das treibt immer mehr Menschen zum öffentlichen Protest auf die Straßen, so auch am vergangenen Samstag in Kaufbeuren vor Circus Alberti.
Die Demonstration, mit zwei Aufzügen am Zirkus vorbei, wurde von zahlreichen Polizeikräften begleitet und verlief friedlich. Wegen einzelner Vorfälle prüfen die Tierschützer strafrechtliche Schritte. Zum einen gegen einen Zirkusmitarbeiter, zum anderen beabsichtigt ein an der Kundgebung beteiligter Pressefotograf rechtliche Schritte gegen einen Polizeibeamten, der ersteren zum Löschen von Fotos aufgefordert hatte. Insgesamt sprechen die Aktivisten von einem großen Erfolg.

„Sogar umliegende Anwohner, die zufällig das Geschehen beobachteten, erschienen spontan und schlossen sich uns an.“ Besonders positive Resonanz bekamen die Protestierenden von zwei Kindern, die auf die Demonstration aufmerksam geworden waren. Nach einem Gespräch mit einer Teilnehmerin fuhren sie mit ihren Fahrrädern nach Hause und überreichten den Demonstranten später ein selbstgemaltes Bild mit der Aufschrift: „Die Qual ist schlecht. Tiere sollen frei sein!“.
Circus Alberti ist in Sachen Tierquälerei und Angriffen von gefrusteten Tieren auf Menschen kein Unbekannter.

Der Zirkus führt zahlreiche Tiere, darunter einen Bären, mehrere Kamele und zwei Affen mit sich – Tiere, die keine Clowns zu unserer Belustigung sind, sondern Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen, die im Zirkus niemals auch nur annähernd erfüllt werden können. Sie führen die von ihnen geforderten und oftmals gesundheitsschädlichen Kunststücke keineswegs freiwillig auf. Dahinter steckt eine beinharte Dressur unter Einsatz von Peitschen, Elefantenhaken und Ketten. Circus Alberti fiel bereits häufiger durch schlechte Haltungsbedingungen und aggressive Verhaltensweisen negativ auf, Recherchen durch Aktivisten von ANIMALS UNITED vor Ort bestätigten sämtliche Befürchtungen und gaben zudem Anlass, die Behörden über offensichtliche Missstände zu informieren. Diese kontrollierten den Zirkus zwar, wollten aber keine Verstöße feststellen.

Oberbürgermeister Stefan Bosse teilte auf Anfrage mit, der Zirkus würde alle erforderlichen Erlaubnisse besitzen und habe ohne Kenntnis der Stadt ein privates Grundstück angemietet. „Diese Taktik habe der Zirkus wohl bewusst entwickelt, da die Stadt das Gastspiel sonst unterbunden hätte“.
Die Politik muss endlich handeln, die Bundesregierung muss die Weisungen des Bundesrates, der bereits in den Jahren 2003 und 2011 ein Verbot von Wildtieren im Zirkus beschlossen hat, endlich umsetzen. Diese Botschaft der Tierfreunde und der dringende Handlungsbedarf kamen während der Veranstaltung deutlich zum Ausdruck: „Deutschland muss endlich aktiv werden! Schluss mit Lobbyismus für Tierzirkusse, höchste Zeit für Unterhaltung von Menschen für Menschen, echtes Können statt Erzwingen! Zirkus JA, aber OHNE Tiere!“

Foto: Animals United