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Walfangtagung beginnt unter gefährlichen Vorzeichen

Japan bietet Walschutzländern dreisten Kuhhandel an

Florianopolis / München, 7. September 2018. Am 10. September beginnt in Brasilien die 67. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC). Für Artenschützer ist es die brisanteste seit Jahren: „Seit 1986 gilt ein weltweites kommerzielles Walfangverbot, das bereits mehrfach bekämpft wurde. Doch in diesem Jahr gibt es eine besonders gefährliche Gemengelage“, betont Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Japan will die Abstimmungsregelungen ändern, um das Walfangmoratorium zu beenden.“ Von gelockerten Regeln würde unter anderem auch Brasilien profitierten, das seit Jahren an der erforderlichen Dreiviertelmehrheit für ein Walschutzgebiet im Südatlantik scheitert und als Gastgeberland in diesem Jahr unter besonderem Erfolgsdruck steht.

Die wichtigsten Punkte in der kommenden Woche:

  1. Japan schlägt ein Paket von drei Maßnahmen vor, die das Ende des kommerziellen Walfangverbotes bedeuten würden: Erstens möchte es ein „Komitee für nachhaltigen Walfang“ etablieren, das ausschließlich aus pro-Walfangländern bestehen soll. Zweitens soll das Abstimmungsprozedere für Satzungsänderungen (wie beispielsweise das Moratorium oder Einrichtung von Schutzgebieten) von bislang einer Dreiviertelmehrheit in eine einfache Mehrheit gelockert werden. Drittens soll die IWC-Satzung künftig Fangquoten „für Walbestände im Überfluss“ freigeben.
  2. Die Fangquoten für Ureinwohner in Grönland, Russland und Alaska müssen neu beschlossen werden. Statt bisherigen Fünfjahresquoten steht ein künftiger Quotenblock über sieben Jahre zur Diskussion, zudem eine automatische Verlängerung und ein Übertrag ungenutzter Tiere auf das nächste Jahr. „Bislang mussten die Ureinwohner ihren tatsächlichen Bedarf an Walen nachweisen. Das würde bei diesen Vorschlägen künftig wegfallen. Grönlands wachsender Verkauf von Walfleisch an Touristen würde demnach akzeptiert werden“, kritisiert die Biologin Altherr.
  3. Brasilien und andere Länder Südamerikas beantragen erneut ein südatlantisches Walschutzgebiet. „Bereits seit 1998 versuchen Brasilien und weitere Länder, ein solches Schutzgebiet durch die IWC einzurichten. Die Walfangländer wollen um jeden Preis ein solch starkes Signal pro Walschutz verhindern – obwohl sie im Südatlantik gar keine Walfang-Ambitionen haben“, erläutert die Pro Wildlife Sprecherin.
  4. Der kommerzielle Walfang Islands und Norwegens, die eine Ausnahmeregelung der IWC nutzen, steht bislang nicht einmal offiziell auf der Tagesordnung. „Die EU hat es versäumt, eigene Initiativen wie beispielsweise eine deutliche Resolution gegen kommerziellen Walfang einzubringen. Wir erwarten nun zumindest, dass sie einen eigenen Agenda-Punkt hierzu einfordert“, betont Altherr.
  5. Eine von Brasilien vorgeschlagene Resolution  („Florianopolis-Deklaration“), die unter anderem eine Verantwortung der IWC für einen Wiederaufbau der Walbestände auf das Niveau vor der industriellen Bejagung einfordert, ist für die Walfangländer wohl inakzeptabel.

„Die Ausgangslage für die IWC-Tagung ist extrem heikel. Erschwerend kommt hinzu, dass Japan aktuell den IWC-Vorsitzenden stellt und damit wesentlichen Einfluss auf den Verlauf der Debatten hat“, so Altherr abschließend.

Weitere Informationen:

IWC-Konferenz 2018: Das Moratorium steht unter Beschuss

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Foto: Ash Lambert