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von Redaktion

Nur ein Tier


 

Das ist doch nur ein Tier: Diesen Satz hört man leider immer noch viel zu oft. Und er sagt einiges darĂŒber aus, wie sehr sich der Mensch von seiner Natur entfernt hat. Schließlich ist auch er als „Homo Sapiens“ nur ein Tier, das sich aufgrund von evolutionĂ€ren Anpassungen zu dem entwickelt hat, was es heute ist. Zugegeben: Der Mensch hat viele FĂ€higkeiten hervorgebracht. Er kann die Welt formen, in den Weltraum reisen und sich so ziemlich ĂŒberall anpassen. Doch zusammen mit dem Wissen und den FĂ€higkeiten wuchs die Moral nicht in gleichem Maße. Sie stagniert, sinkt und hat in vielen Bereichen bereits einen Tiefpunkt erreicht.

Keiner will es sehen, will sich den Appetit verderben, doch viele unserer Mitgeschöpfe durchleiden tagtÀglich die Hölle. Sie leiden aufgrund von Gewinnstreben, weil die Menschen gerne viel Fleisch essen, weil die Gier nach mehr keine Grenzen kennt.

Folge sind Perversionen, wie das Töten von mĂ€nnlichen KĂŒken direkt nach dem Schlupf, weil man fĂŒr das mĂ€nnliche Huhn keine Verwendung findet – und die Tiere lebendig in Schredder-Maschinen wirft. Ein Teil von ihnen wird auch vergast. Viele weibliche Tiere haben ein Leben als MasthĂ€hnchen vor sich. Sie werden möglichst schnell mit möglichst billigem Futter auf möglichst wenig FlĂ€che ohne großen Aufwand fettgefĂŒttert – um sie dann nach einem Bruchteil ihrer eigentlichen Lebenserwartung zu Schlachten. Und selbst beim Schlachtprozess gesteht man ihnen keinerlei WĂŒrde zu: Sie werden maschinell an LaufbĂ€ndern durch eine elektrische BetĂ€ubungseinheit gezogen. Wurde ein Tier nicht richtig betĂ€ubt, sieht es kopfĂŒber hĂ€ngend den Tod seiner Artgenossen und schließlich das Messer, das ihm selbst den Hals durchtrennt.

Auch Schweine und Rinder fristen ein grausames Dasein. Sie werden fett gemĂ€stet, mĂŒssen ihr Leben oft in einer engen Box stehend verbringen – ohne Sonnenlicht, Wiese und Erde. Gerade Schweine haben einen sehr empfindlichen Geruchssinn, besser als Hunde. Nicht umsonst werden sie auch zur TrĂŒffelsuche genutzt. In der Massentierhaltung steht ein Schwein auf Gitterböden, unter dem die Exkremente von ihm und seinen Artgenossen entlang fließen. Stechender Geruch und ausgasende Bestandteile des Urins schĂ€digen die Atemwege der Tiere, die in der freien Natur eigentlich liebend gerne mit der Nase im Erdreich wĂŒhlen. Nicht nur das bleibt ihnen in Gefangenschaft verwehrt.

Das Elend lĂ€sst sich immer weiter steigern, eine neue Generation von Turbomastschweinen steht immer öfter in den StĂ€llen. Da haben Muttersauen 8 Zitzen, gebĂ€ren aber 11 Junge
 Die Tiere sind zudem so gezĂŒchtet, dass sie viel Fleisch ansetzen. Dies, in Verbindung mit dem langen Stehen in feuchten StĂ€llen, fĂŒhrt zu deformierten Knochen und schmerzhaften GelenkentzĂŒndungen. Viele Schweine können sich am Ende gar nicht mehr schmerzfrei fortbewegen oder gar auf den Beinen halten. Und auch bei ihnen verlĂ€uft die Schlachtung alles andere als wĂŒrdig, wenn man bei einem Tötungsvorgang von WĂŒrde ĂŒberhaupt sprechen kann: Die Tiere werden durch schmale GĂ€nge getrieben, riechen das Blut der anderen getöteten Artgenossen, den Angstschweiß
 Bis auch sie schließlich selbst getötet und dann aufgeschlitzt werden. Manchmal kommt es aufgrund der industriellen Verarbeitung im Sekundentakt vor, dass Tiere wĂ€hrend der Schlachtung noch gar nicht tot sind und dass ihr ohnehin qualvolles Leben mit unvorstellbaren Schmerzen endet.

Aber nicht nur Tiere, die fĂŒr die Fleischproduktion bestimmt sind, erleiden unglaubliches. Legehennen haben einen starken Leistungsdruck, existieren unter schlimmen, völlig artwidrigen Bedingungen und sind bereits nach 15 Monaten nicht mehr „produktiv“ und auch völlig ausgelaugt. Dann werden sie geschlachtet. Dabei hat ein Huhn eine Lebenserwartung von bis zu 15 Jahren!

Auch die Milchkuh wird oft nur als Produktionsmittel angesehen. Ihr Euter wird immer grĂ¶ĂŸer gezĂŒchtet, damit sie möglichst viel Leistung bringen kann. Dabei muss eine Kuh stets ein KĂ€lbchen gebĂ€ren, damit sie eine Zeit lang Milch produziert. Dieses KĂ€lbchen wird kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt. Dabei besteht zwischen der Kuh und ihrem Kalb eine enge Verbindung. Die Tiere leiden teilweise sehr unter der Trennung. Auch das KĂ€lbchen wird gemĂ€stet, um es möglichst bald schlachten und seine Bestandteile verkaufen zu können. Aus seinem Labmagen wird u.a. auch ein Grundstoff fĂŒr die Herstellung von KĂ€se gewonnen.

 

 

Millionenfaches Leid

 

All dies passiert tagtĂ€glich millionenfach in Deutschland, milliardenfach weltweit. Tiere leiden unsĂ€gliche Qualen. Alles legal und im Einklang mit dem deutschen Tierschutzgesetz. Dieses besagt, dass Tieren kein „unvermeidbares Leid“ angetan werden darf. Und bei der Massentierhaltung stellt man sich nicht einmal die folgenden Fragen:

Ist das Leid, das wir den Tieren antun wirklich unvermeidlich? Damit wir uns jeden Tag an einem billigen Schnitzen laben können? Damit Fleisch, Milch und Eier immer billiger werden, damit die Lebensmittelpreise sinken und wir uns dafĂŒr stets das neueste Handymodell leisten können? – Denn irgendwo muss man ja sparen
 Damit die Nahrungsmittelindustrie eine möglichst hohe ProduktivitĂ€t und einen hohen Gewinn erwirtschaften kann? Damit die Gier und der Geiz der Menschen immer weiter gesteigert wird?

Und das Ganze auch noch vor dem Hintergrund, dass in Deutschland und Europa riesige Mengen Fleisch und andere Lebensmittel entsorgt werden, weil sie nicht gekauft wurden und verdorben sind. Die Produkte landen auf dem MĂŒll, nachdem ihre „Produzenten“ durch die Hölle gegangen sind.

Ist das wirklich zu rechtfertigen, ist das wirklich „unvermeidbares Leid“?

Aber selbst wer Tieren „unvermeidbares Leid“ antut, wird nur wegen einer erweiterten Form der SachbeschĂ€digung bestraft. Und die Gesetze im Ausland teils noch viel lascher als in der Bundesrepublik.

 

Viele rechtfertigen den Umgang mit unseren Mitgeschöpfen damit, dass Tiere zu keinen höheren Empfindungen fĂ€hig seien. Dieses Leugnen von EmpfindungsfĂ€higkeit hat bereits oft in der Menschheitsgeschichte dazu gefĂŒhrt, dass zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten und Verbrechen auch zwischen der Spezies Mensch stattgefunden haben.

Wenn auch in diesem Fall das Absprechen von GefĂŒhlen ĂŒber die Artgrenzen hinaus erfolgt: Es ist eine perverse Strategie, Unrecht zu Recht machen zu wollen!

 

Ausgerechnet Tierversuche zeigen, wie widersprĂŒchlich die Argumentation zu Tieren als angeblich nicht empfindungsfĂ€higen Wesen sein kann. Denn einerseits beharrt die Pharmaindustrie darauf, dass Tierversuche enorm wichtig sind, um den Menschen vor Gefahren zu schĂŒtzen. Man testet schließlich Medikamente wie Psychopharmaka und Schmerzmittel an Tieren, um deren Reaktion auf jeweilige Mittel untersuchen zu können und das Ergebnis dann auf den Menschen zu ĂŒbertragen. Zugleich aber behauptet man, dass Tiere weder ĂŒber das emotionale Spektrum noch ĂŒber das Schmerzempfinden des Menschen verfĂŒgen. Wie kann es also sein, dass ein Tier einerseits angeblich gar fĂ€hig ist, Schmerz zu empfinden und Emotionen zu durchleben – und dass man an ihm andererseits Schmerzmittel und Psychopharmaka testet?

Dieser Widerspruch zeigt es deutlich: Man spricht den Tieren die GefĂŒhle ab, da man sonst eingestehen mĂŒsste, dass die zivilisierte Welt massenhaft Folter und Barbarei an empfindsamen Wesen betreibt!

 

Universelle Sprache

 

Tiere sind fĂŒhlende Wesen wie Menschen auch. Sie können ihr Leid nicht ansprechen, können nicht protestieren, mit dem Menschen nicht verbal kommunizieren. Dies ist jedoch kein Mangel der Tiere, kein Zeichen etwa von fehlender Intelligenz. Vielmehr ist das ein Zeichen, dass dem Menschen die FĂ€higkeit fehlt, die Tiere zu verstehen. Er will sich schließlich ĂŒber alles erheben, doch er schafft es nicht einmal die Sprache seiner Mitgeschöpfe zu erkennen. Dabei wĂ€re es doch so einfach:

Ein Blick in die Augen eines Tieres, der Anblick einer Muttersau, die ihre Ferkel nach der Geburt versorgt oder das Bild einer Kuh mit einem KĂ€lbchen auf der Weide
 Wer die Augen öffnet, versteht die Sprache der Tiere. Eine Sprache, die der Mensch verlernt zu haben scheint. Es ist die eine universelle Sprache, die alle Wesen dieser Welt sprechen und die sie vereint. Es ist die Sprache des Herzens, der Emotionen – der Angst, der Wut, der Traurigkeit, der Trauer des MitgefĂŒhls und der Liebe.

 

Hunden, Katzen und anderen Haustieren spricht der Mensch diese GefĂŒhle zu. Keiner kĂ€me in unseren Breiten auf die Idee, eine Katze oder einen Hund zu verspeisen. Das sind Schmusetiere. Schweine und Rinder sind es dagegen nicht. Ihnen gesteht man keine GefĂŒhle zu. Doch auch sie sind empfindsame Wesen, die es verdienen, mit Respekt behandelt zu werden.

Daher sollten wir weg von der Idee, in Nutz- und Schmusetiere zu unterteilen. Das sind menschengemachte Kategorien, die auf Egoismus fußen und nichts mit der RealitĂ€t zu tun haben. Wir sollten beginnen, den Wert unserer Mitgeschöpfe erkennen, ihnen Respekt fĂŒr ihre Art der Intelligenz zollen, ihnen zuhören und sie wahrnehmen als das, was sie sind:

FĂŒhlende Wesen. Und wir sollten uns vor Augen halten: Wer Tiere liebt, der isst sie nicht!

Wir bedanken uns fĂŒr diesen Text ganz herzlich bei Torsten JĂ€ger.

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