Europäische Zirkus-Kampagne startet

Deutschland mit Nachbesserungsbedarf bei Zirkusverordnung

 Im Rahmen der Kampagne “EU Stop Circus Suffering” fordern die in der Eurogroup for Animals organisierten Tierschutzverbände, darunter der Deutsche Tierschutzbund, ein EU-weites Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen. Die Kampagne startet heute – zum Tag des Artenschutzes. Der Deutsche Tierschutzbund macht zum Kampagnenstart deutlich, dass Deutschland anderen europäischen Ländern weit hinterherhinkt und es dringend einer Nachbesserung der nationalen Zirkusverordnung bedarf, die sich derzeit als Entwurf im parlamentarischen Verfahren befindet.

 

„Während 23 EU-Staaten bereits ein Verbot von Tieren oder zumindest von allen Wildtieren in Zirkussen eingeführt haben, hat es das deutsche Bundeslandwirtschaftsministerium bisher nur geschafft, eine unzureichende Verordnung vorzulegen“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Er fordert eine dringende Nachbesserung des Verordnungsentwurfs, über den hoffentlich in den nächsten Wochen im deutschen Bundesrat diskutiert wird. Es sei inakzeptabel und nicht zu rechtfertigen, dass beispielsweise Tiger und Löwen weiter erlaubt bleiben sollen. „Großkatzen leiden genauso wie Elefanten, Giraffen und Flusspferde unter den häufigen Transporten, unzureichenden Haltungsbedingungen sowie der Dressur und Zurschaustellung in der Manege. Wir brauchen keine halben Sachen. Es muss endgültig und konsequent Schluss sein mit Wildtieren in Zirkussen“, so Schröder. Kritik übt der Deutsche Tierschutzbund auch daran, dass laut aktuellem Entwurf die bereits in Zirkussen mitgeführten Tiere nicht nach einer Frist in geeignete Haltungen wie Auffangstationen abgegeben werden müssen. Stattdessen soll das Verbot nur für die Neuanschaffung von Wildtieren gelten.

 

68 Prozent der Europäer befürworten das Wildtierverbot

Eine aktuelle von der Eurogroup for Animals beauftragte Umfrage macht deutlich, dass ein konsequentes Wildtierverbot auch dem Willen der Bevölkerung entspräche: 68 Prozent der befragten Personen gaben an, dass Wildtiere nicht zu Unterhaltungszwecken vorgeführt werden sollten. In Deutschland war die Zustimmung mit 70 Prozent sogar noch größer. Für ein europaweites Wildtierverbot in Zirkus sprachen sich 63 Prozent der Befragten hierzulande aus. „Die Ergebnisse zeigen, was schon lange zu spüren ist: Die Akzeptanz für Wildtiere in Zirkussen schwindet. Den Bürgerinnen und Bürgern ist klar, dass es heutzutage keinen Raum mehr für tierschutzwidrige Zurschaustellung gibt und dass es höchst unmoralisch ist, das Leid der Tiere in der Manege zu beklatschen. Es wird Zeit, dass auch die Politik zu dieser Einsicht kommt und ein umgehendes Verbot für alle Wildtiere auf den Weg bringt“, so Schröder.

Der Entwurf für die deutsche Zirkusverordnung nimmt Tiger und Löwen vom Verbot aus. Aus Tierschutzsicht ist dies nicht akzeptabel. Copyright: Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten

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