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Goldener Windbeutel 2019

von Redaktion

Berlin, 3. Dezember 2019. Der Goldene Windbeutel 2019 geht an Zwergenwiese: Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation foodwatch wĂ€hlte der Großteil der fast 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die „Kinder-Tomatensauce“ des Bio-Herstellers zur dreistesten WerbelĂŒge des Jahres. Die fĂŒr Kinder beworbene Tomatensauce enthĂ€lt mehr als doppelt so viel Zucker wie die Erwachsenen-Version – dabei empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass Saucen fĂŒr Kinder gar keinen zugesetzten Zucker enthalten sollten. foodwatch war am Dienstag vor Ort am Firmensitz von Zwergenwiese in Schleswig-Holstein, um den Negativpreis zu ĂŒberreichen.

„Eltern kaufen Bio-Produkte, um ihren Kindern etwas Gutes zu tun – aber Zwergenwiese jubelt Kindern eine Extra-Portion Zucker unter und nutzt das Vertrauen der Eltern aus. Der Bio-Pionier sollte sich an die Empfehlungen von KinderĂ€rzten halten und nur Saucen ohne Zuckerzusatz als Kinderprodukte bewerben“, erklĂ€rte Manuel Wiemann von foodwatch, Wahlleiter beim Goldenen Windbeutel 2019.

Zwergenwiese hatte nach der Nominierung fĂŒr den Goldenen Windbeutel sein Produkt damit verteidigt, dass „kein zugesetzter Kristallzucker“, sondern Apfeldicksaft enthalten sei. Doch die WHO definiert auch Zucker aus Fruchtsaftkonzentraten, wie Apfeldicksaft, als freien bzw. zugesetzten Zucker, dessen Konsum reduziert werden mĂŒsse, so foodwatch. Diese EinschĂ€tzung teilt auch Professor Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums fĂŒr ErnĂ€hrungsmedizin: „Dieser Zucker gehört zu den ‚freien Zuckerarten‘ und ist deshalb nicht viel anders einzuschĂ€tzen als kristalliner RĂŒbenzucker. Einen besonderen Gesundheitswert oder relevanten Vorteil gegenĂŒber Haushaltszucker kann ich nicht erkennen“.

Neben der Kinder-Tomatensauce waren vier weitere Produkte fĂŒr den Goldenen Windbeutel 2019 nominiert. Fast 70.000 gĂŒltige Stimmen gingen im Wahlzeitraum seit Anfang November ein. Das Ergebnis im Detail:

1. Platz: „Kinder-Tomatensauce“ von Zwergenwiese (36.721 Stimmen, entspricht rund 53,2 Prozent der abgegebenen gĂŒltigen Stimmen)
2. Platz: Yakult Original von Yakult (18.036 Stimmen, 26,1 Prozent)
3. Platz: „100% Bio Direktsaft Karotte“ von Hipp (5133 Stimmen, 7,4 Prozent)
4. Platz: Wasabi ErdnĂŒsse von Rewe Beste Wahl (4635, 6,7 Prozent)
5. Platz: „Corny Protein Lower Carb“ von Schwartau (4477, 6,5 Prozent)

Vier der Windbeutel-Kandidaten waren von Verbraucherinnen und Verbraucher auf der foodwatch-Beschwerdeplattform „Schummelmelder.de“ eingereicht worden. Ein weiterer Kandidat, Yakult, ging auf Recherchen von foodwatch zurĂŒck. Schwartau hatte nach der Nominierung fĂŒr den Goldenen Windbeutel angekĂŒndigt, seinen Corny Protein-Riegel vom Markt zu nehmen.

foodwatch engagiert sich seit Langem fĂŒr eine gesetzliche BeschrĂ€nkung des Kindermarketings als einen Baustein im Kampf gegen FehlernĂ€hrung und ernĂ€hrungsbedingte Krankheiten. GemĂ€ĂŸ den Empfehlungen der WHO fĂŒr Kindermarketing sollten nur ausgewogene Produkte an Kinder beworben werden dĂŒrfen. Marktstudien haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass ein Großteil der an Kinder beworbenen Lebensmittel zu viel Zucker enthĂ€lt.

„Geschmack wird anerzogen, und zwar schon im frĂŒhkindlichen Alter“, sagte der PrĂ€sident des Berufsverbandes der Kinder- und JugendĂ€rzte, Thomas Fischbach. „Sogenannte Kinderlebensmittel sind viel zu oft versteckte Zuckerbomben. Damit muss Schluss sein! Die Politik darf nicht weiter tatenlos zusehen, wie die Kindergesundheit wirtschaftlichen Interessen geopfert wird. Wir brauchen Verbote, um die Kinder effektiv vor irrefĂŒhrender Werbung zu schĂŒtzen.“

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel in diesem Jahr zum neunten Mal. Die erste Wahl fand 2009 statt. Bisherige PreistrĂ€ger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein ĂŒberzuckerter Babykeks von Alete (2017). Vergangenes Jahr gewann das „Smart Water“ von Coca-Cola den Negativpreis.

Foto: foodwatch/picture alliance/Udo Fischer

 

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